Nur 30 Minuten……

Zeit, das scheint etwas zu sein, was heute keiner mehr hat. Zeit ist Geld. Es ist also nicht besonders verwunderlich, dass eine Beerdigung bzw. Trauerfeier nicht länger als 30 Minuten dauert. So zumindest bei uns „Normalbürgern“.

„Ihr könnt froh sein, dass nach eurer keine weitere Trauerfeier stattgefunden hat. Eure Musikauswahl hat ja schon 20 Minuten in Anspruch genommen“. So oder so ähnlich war die Aussage unseres Familienfreundes und Pfarrers nach der Trauerfeier meines Vaters. Zunächst habe ich mir über diese Aussage nicht wirklich Gedanken gemacht. Doch irgendwann, als ich am Friedhof vorbei fuhr, war diese Aussage wieder präsent. Ich stand an einer Ampel und überlegte mir, wie es sein kann, dass in 30 Minuten alles was ein Leben ausmachte, vorgetragen sein sollte. Ich fragte mich, ob ich wirklich alles erwähnt hatte, was über meinen Vater gesagt werden sollte. Ich weiß, dass es nicht so ist. Es geht einfach nicht. Wie soll in 30 Minuten alles gesagt werden, was ein Mensch in 61 Jahren vollbracht hat, bzw. was ihn ausgemacht hat? Das ist unmöglich. Es hätte Tage in Anspruch genommen, wenn ich wirklich alles was meinen Vater ausgemacht hatte, hätte vortragen wollen.

Wir müssen uns also auf das Nötigste beschränken. Und das ist sehr schwer, denn wir möchten einen würdevollen Abschied gestalten, der dem Leben des Menschen den wir verabschieden, gerecht wird. Das können wir aber nur bedingt. Ich habe es schon als äußert schwer empfunden die passende Musik zu finden. Jetzt im Nachhinein höre ich das ein oder andere Lied im Radio und denke darüber nach, ob nicht dieses das „Passendere“ gewesen wäre. Mir fallen auch oft Dinge ein, bei denen ich der Meinung bin, wir hätten diese auf der Trauerfeier meines Vaters sagen müssen. Und dann ist es natürlich so, dass ich mir die Frage stelle, ob wir wirklich einen Abschied gestaltet haben, der meinem Vater würdig ist.

Es bleibt nur nicht viel Zeit darüber in Ruhe nachzudenken. Jemand stirbt, oft auch völlig unvorbereitet und man hat vielleicht drei oder vier Tage Zeit die Vorbereitungen zu treffen. In dieser Zeit ist man weder bei sich selbst, noch in der Lage intensiv nachzudenken. Ich für meinen Teil war absolut überfordert. Kaum ist jemand verstorben ist er weg, also ich meine unter der Erde oder im Krematorium. Zeit sich zu verabschieden, hat man nicht. Wie soll die Zeit dann ausreichen die Gedanken zu sammeln und alles zusammenzutragen was einen Menschen ausgemacht hat, das dann in nicht einmal 30 Minuten gesagt wird? Denn zieht man die musikalische Untermalung ab, verbleiben gerade mal noch 15 Minuten die dafür aufgebracht werden, das Lebenswerk eines Menschen vorzutragen. Das ist nicht wirklich viel Zeit.

Wir haben meinen Vater würdevoll verabschiedet. Und das was ihn sonst noch ausgemacht hat, ist nicht auf einer 30 minütigen Verabschiedung gesagt. Das ist nicht möglich. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass nicht alles so gewinnorientiert ablaufen würde. Dann hätte man vielleicht als Angehöriger die Zeit einen Song mehr spielen zu lassen, oder einfach noch einen Moment der Einsamkeit am Sarg zu verbringen, bevor man dann gehen muss, damit der oder die Nächste verabschiedet werden kann.


 

Welcher Meinung seid ihr? Reicht die Zeit aus?

 

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Die Angst und der Tod!

Die Angst vor dem Tod ist allgegenwärtig. Der Tod ist die eigentliche Angst. Für diese Erkenntnis habe ich lange gebraucht. Es ist nicht immer so offensichtlich, warum wir uns verhalten wie wir es tun. Oft müssen wir danach graben, unsere Verhaltensweisen verstehen und uns fragen wer wir sind. Wer ich wirklich bin und welchen Sinn mein Leben hat, das weiß ich noch nicht, ich suche noch danach. Ich tappe im Dunkeln aber manchmal blitzt ein kleines Licht hindurch. So lange ich auf dieser Suche sein werde, wird die Angst mein Begleiter sein. Denn in dieser Zeit habe ich noch nicht zu mir gefunden.
Warum haben so viele unter uns diese offensichtliche oder auch versteckte Angst vor dem Tod?
Wir streben alle nach einem langen und erfüllten Leben. Und hatten wir dieses, dann darf es schnell gehen. Wir wollen nicht sterben und wenn es soweit ist, wollen wir möglichst nichts davon mitbekommen. Weil wir Angst haben. Wir müssen, jeder einzelne von uns, den eigenen Tod sterben. Keiner kann mit uns mit. Es ist unser Weg. Es ist unser Tod. Vielleicht hält uns jemand die Hand, aber auf die andere Seite, da gehen wir allein. Zumindest glaube ich, dass es so ist. Letztlich wissen wir nicht viel über das Sterben und den Tod. Und das macht uns Angst. Es ist sozusagen ein Schritt in die Ungewissheit.
Der Tod ist ungewiss. Er kommt wann er es möchte und wie er es möchte. Er fragt nicht, ob es gerade passt. Er kann nicht kontrolliert werden. Es kann nicht mit ihm verhandelt werden. Es wird jeden von uns, egal welchen gesellschaftlichen Status wir erreicht haben, treffen. Wir werden alle sterben. Das macht uns Angst. Denn wir kontrollieren gerne alles. Die Medizin schreitet voran und hat einen Stand erreicht, der schwer zu toppen scheint. Alles ist darauf ausgelegt unser Leben zu verlängern. Und das ist auch in den allermeisten Fällen gut so. Allerdings entsteht so ein Bild der Unsterblichkeit. Wir schieben den Tod nur allzu gerne so weit wie möglich von uns weg. Fährt ein Leichenwagen vor uns her, stellen sich die Nackenhaare auf, oder es überkommt uns ein Schauer und die Frage danach, ob er wohl einen Fahrgast hat. So ist es bei mir.
Ich habe lange Zeit nicht über den Tod nachgedacht. Das zunehme Alter zwingt mich allerdings mich mit dem Tod auseinander zu setzen. Mit dem der anderen und mit meinem eigenen. Wenn die Großeltern sterben, dann scheint der Tod weit weg zu sein. Wenn die Eltern sterben ist er plötzlich sehr nah. Mein Papa starb plötzlich einfach so mitten am Tag, ohne Vorwarnung. Für mich gab es so etwas nicht, höchstens bei einem Unfall. Ich hätte niemals gedacht, dass mein „Zuhause“ – mein Körper – einfach so aufgibt. Und das macht Angst. Das macht mir Angst. Bevor mein Papa starb, bin ich davon ausgegangen, dass der Tod eine Gefahr von außen ist. Ich hätte niemals gedacht, dass das eigene „Zuhause“ eine Gefahr darstellen könnte. Selbst wenn wir es hin und wieder mitbekommen, dann sind nur die anderen, die so etwas trifft. Wir schieben es weg und verdrängen es. Und das müssen wir auch, denn wir können nicht unter ständiger Angst leben. Aber es sollte uns bewusst sein, dass es jederzeit jeden von uns treffen kann. Wenn wir uns diesem Umstand bewusst sind, dann leben wir glücklicher. Wir zeigen anderen gegenüber mehr Respekt und wir lassen keinen Konflikt mehr offen stehen. Wir leben im Hier und Jetzt.
Dass der Tod nicht fragen wird wann es uns passt, ist mir klar geworden, an jenem Tag als mein Papa starb. Denn hätte er mich gefragt, hätte ich ihm sicher geantwortet, dass es viel zu früh ist, ich meinen Papa brauche, er noch bei so vielen Dingen in meinem Leben dabei sein soll. Wenn ich hätte verhandeln können, hätte ich es gemacht. Ich hätte ihm alles was ich besitze überlassen und ihn angefleht, dass er meinen Papa am Leben lässt. Aber dem Tod ist unser Besitz egal, er möchte nichts von uns. Ihn interessiert es nicht ob wir ihm ein teures Auto oder unsere geliebten Markenhandtaschen anbieten. Er verhandelt nicht. Niemals. Wenn die Zeit abgelaufen ist, ist sie abgelaufen. Das ist hart, aber das müssen wir verstehen.
Für mich als Angsthase ist das sehr schwer zu verstehen. Auch ich muss einsehen, dass ich nicht verhandeln kann und selbst in den Händen der besten Ärzte sterben werde, wenn meine Zeit gekommen ist. Es ist also egal, ob ich mich in unmittelbarer Nähe eines Krankenhauses oder auf dem Gipfel eines 3000 Meter hohen Berges aufhalte. Es gibt nur einen Unterschied: Auf dem Gipfel eines Berges genieße ich mein Leben. Wenn ich versuche mich ständig vor einem Krankenhaus aufzuhalten, verschwende ich die wertvolle Zeit die ich „besitze“. Und das ist der springende Punkt. Ich appelliere an alle, die glauben, sie könnten mit dem Tod verhandeln, ihr könnt es nicht!
Geht raus und genießt eurer Leben! Macht das auf was ihr Lust habt! Stellt euch eurer Angst, es wird euch besser gehen. Die Angst vor dem Tod raubt euch euer Leben und eigentlich geht es doch genau um das: DAS LEBEN! Seid nett zu eurer Mitmenschen, nehmt euch Zeit, hört auf zu hetzen, sagt euren Lieben, dass ihr sie liebt, sucht euch einen anderen Job, wenn ihr damit unzufrieden seid, besteigt einen Berg, wenn ihr möchtet und lebt verdammt nochmal genau das Leben das IHR wollt. Ihr allein könnt euer Leben mit all dem füllen, was euch gut tut. Und ja, trennt euch von allem, was ihr hasst, auch von Menschen die nicht in euer Konzept passen. Geht raus, holt tief Luft und atmet das Leben ein. Seid euch in jedem Augenblick bewusst, dass ihr sterben müsst, egal ob ihr wollt oder nicht. Und genau deshalb lebt und schaut dem Tod lachend ins Gesicht. Denn  der Tod möchte genau das von euch! Ihr sollt Leben, jetzt und hier!

Die Sache mit dem Sport!

Ich war motiviert. Deshalb ging es gestern los. Räder aufs Dach und ab auf die schwäbische Alb.
Für mich war klar, heute möchte ich weg von der Zivilisation, meine Ruhe, wieder etwas schaffen. Und dieser Weg ist steinig, die Konfrontation mit den Ängsten ist schwer. Aber ich muss es tun.
Es ging los und es fühlte sich gut an. Ich war nicht so fit, aber fitter als mit Zigaretten und das motivierte mich. Als die Zivilisation hinter mir lag und kein Empfang mehr angezeigt wurde, wirkten die bereits morgens zu Tage getreten Wadenschmerzen deutlich schlimmer. War es wirklich nichts Schlimmes? Müsste das nicht längstens weg sein? Diese Gedanken reichten aus. Ich musste anhalten. Mein Herz raste aber nicht von dem Hügel den ich überwunden hatte, sondern von der anschleichenden Angst. Sollte ich hier weiterfahren? Oder wieder umkehren? Was ist, wenn ich Hilfe brauche? Wo ist das nächste Krankenhaus? Wo der nächste Notarzt?
Ich musste weg und zwar schnell. Ich bretterte Richtung Zivilisation zurück und hielt an einer Bank an. Setzte mich, dachte nach. Über mich, über meine Gedanken. War sauer auf mich und meinen Körper. Das Stechen in der Brust kam zurück. Wurde lauter, meine Gedanken auch. Ist es wirklich so, dass ich gesund bin? Habe ich wirklich nichts am Herz? Was wenn doch? Ist es dann gut mich zu bewegen? Sollte ich nicht lieber langsam machen? In der Nähe einer Klinik bleiben?
NEIN! Diese Gedanken hatten mich in die SINOVA gebracht und die Tatsache, dass ich mit diesen Gedanken kein normales Leben mehr führen konnte. Der Kreislauf musste aufhören. Und das würde nur passieren, wenn ich einsehen würde, dass auch ich meinem Tag-X nicht entrinnen konnte. So wie jeder andere Mensch der geboren wurde. Wir müssen alle sterben, das ist eine Tatsache. Ja, sie macht Angst und jeder der einen lieben Menschen plötzlich und unerwartet verloren hat, wird vielleicht noch größere Angst haben, aber egal wo wir wann sind, es wird passieren. Ich könnte mich nun einschließen, nicht auf die Straße gehen, mein Leben zu Hause verbringen, aber es wird auch dort passieren. Irgendwann werde ich sterben, draußen während ich meinem Hobby nachgehe, irgendwo auf einem Berg, am Meer, in der Stadt. Es ist egal, irgendwann ist es irgendwo soweit, dass meine Sanduhr stehen bleiben wird.
Ich habe mich gestern dazu entschieden weiter zu fahren, zwar einen Weg näher an der Zivilisation, aber ich bin auf dem Rad sitzen geblieben und zu dem vorgenommenen Zielort gefahren. Ich wollte die Angst und die Schmerzen nicht über mich siegen lassen. Und das war gut. Es hat mir gutgetan!

Ist Stremel Lachs gesund?

Komische Frage auf einem Blog, der über Angst berichten soll.
Eigentlich nicht, denn mit Beginn meiner Panikattacken stellte ich mir auch immer öfter die Frage, ob die Dinge die ich zu mir nehme auch wirklich gesund sind. Warum? Der frühe Tod meines Papas hat mir die Augen in der Hinsicht geöffnet, dass ich verstanden habe, dass es eben nicht nur die anderen trifft. Der Tod ist plötzlich sehr nah und das bringt jeden von uns früher oder später dazu, über das eigene Leben nachzudenken. Plötzlich fragt man sich, ob man denn auch wirklich so gesund lebt wie man es zu glauben scheint. Man beginnt sich selbst Fragen zu stellen, isst du gesund genug? Warum rauchst du eigentlich noch? Trinke ich zu viel Kaffee? Esse ich zu viel Zucker?…
Für mich war klar, ich muss über meinen eigenen Lebensstil nachdenken. Dazu gehört die Ernährung sowie eben auch meine Nikotinsucht. Letzteres war der schwerere Teil. Diesen hatte ich erst einmal hintenangestellt. Denn ein Nikotinentzug wird nicht unbedingt geraten, wenn man in einer so schweren psychischen Situation steckt. Also legte ich es auf Eis.
Mittlerweile versuche ich mich deutlich gesünder zu ernähren. Ich esse bewusster, langsamer, häufiger (nicht nur einmal täglich). Ich achte beim Einkaufen auf BIO-Produkte, auf regionale Produkte und soweit als ersichtlich auf gute Tierhaltung. Und ich fühle mich besser dabei. Auch hat die Reduzierung von Zucker dazu geführt, dass ich mich deutlich fitter fühle. Und ihr könnt mir eines glauben, Zucker ist in Lebensmitteln beinhaltet, in denen wir diesen nicht erwartet hätten. Es lohnt also auch hier einen Blick darauf zu werfen.
Nun, fragt ihr euch sicherlich, wie das denn alles zusammen passen kann. Super gesund essen aber rauchen. Ja richtig, das hat bei mir noch nie gepasst. Ich war immer sportlich und habe dennoch sehr gerne geraucht, zumindest in der Jugend. Dann kam irgendwann der Zeitpunkt an welchen ich mir vorgenommen hatte, dass ich an meinem 30. Geburtstag nicht mehr rauchen möchte. Naja, ich bin jetzt 33. Die Panik hat mich aber dazu gebracht darüber einmal genauer nachzudenken. Es hat gefruchtet, denn ich hatte irgendwann solche Angst eine Krankheit zu bekommen, dass ich einen immer größeren Ekel vor meinen geliebten Zigaretten bekommen hatte. Zudem muss ich sagen, dass in der SINOVA, ziemlich viele „abschreckende Beispiele“ unterwegs waren. Und siehe da, es kam wie es kommen sollte, ich habe mich dazu entschieden das Rauchen zu stecken. Der erste Versuch ging in die Hose, denn ich hatte versucht sonntags aufzuhören und musste montags auf eine Beerdigung. Das war tatsächlich der falsche Moment. Einige Wochen später habe ich es nochmal versucht und siehe da nun sind es 33 Tage, die ich bereits als Nichtraucher lebe und das nach 18 Jahren. Und ich hatte sehr große Angst vor dem Entzug.
Was will ich euch mit diesem Artikel mit auf den Weg geben?
Es lohnt sich immer über sich nachzudenken, sich der Angst zu stellen und sich zu ändern. Und ich möchte euch sagen, dass die Angst bei mir auch was Gutes letztendlich hatte, ICH HABE DAS RAUCHEN GESTECKT. Und das nur, weil ich über mich nachgedacht habe. Also zieht euch etwas Positives aus der Situation in die ihr gekommen seid. Sie wird euch auch neue Wege aufzeigen, die ihr nicht möglich gehalten habt.

Mit der Zeit…..

Du fliegst nicht höher aber leichter mit der Zeit“ ein Zitat aus einem Song von Andreas Bourani. Wer will, darf ihn gerne anhören.
Im Moment ist es so, dass ich versuche so gut als möglich mit meinen Symptomen umzugehen. Ich mache die Dinge vor denen ich Angst habe, ganz langsam, ein Schritt nach dem anderen. Ich habe „mit der Zeit“ gelernt, dass alles was ich nicht tue bzw. nicht mache dazu beiträgt, dass die Angst noch größer wird. Und das ist falsch. Die Angst beschützt mich nicht, sie trägt dazu bei, dass ich kein Leben mehr leben kann. Sie nimmt mir meine geliebten Hobbys, ok ich male mittlerweile, das ist ein Hobby das dazu kam, aber ansonsten nimmt mir diese Angst meine komplette Lebensqualität. Und das möchte ich nicht.
Ich fühle mich oft ausgeliefert, wie in einer Zwangsjacke. Ich schüttel und rüttel daran, aber ich komme nicht raus. Die Zwangsjacke ist die Angst. Sie hat mich eingewickelt, raubt mir die Luft zum atmen, raubt mir meine Freude, meine Leichtigkeit, mein Leben!
Es ist verdammt schwer aus dieser Jacke heraus zu kommen. Denn diese Jacke sitzt, mit dem ein oder anderen Knoten, der wirklich schwer ist auf zu bekommen. Da muss man schon lange daran rütteln.  Aber manchmal gibt es einen Tag an dem es ganz gut funktioniert. Oft ist es aber so, dass ich mir nach diesem Tag die Frage stelle „wo war meine Angst heute“. Da kommt der Zeitpunkt an dem ich feststelle „oh shit, da ist sie wieder“. Und dann gibt es nur die Möglichkeit sie sofort wieder zu vergessen.
Wir leben alle in einem Körper der uns das Leben schenkt. Er ist unser Fahrzeug, unser Wegbegleiter und eigentlich meint er es gut mit uns, denn er bringt uns durch den Tag und er lässt uns unglaublich tolle Sachen erleben. Sei es eine Reise die wir uns immer gewünscht haben, einen Ausflug in den Freizeitpark oder sogar einen Tag in völliger Faulheit in der Hängematte. Und das Beste daran ist, wir haben einen Speicher, dort wird alles abgelegt und wir können uns an all diese tollen Sachen erinnern.
Dass wir Angst haben ist wichtig, es bewahrt uns vor vielen Dingen die wirklich gefährlich sind. Aber die müssen wir wieder differenzieren lernen. Und das können wir. Mit vergessen und neu laden. Mit der Angst ist das so als ob der PC hängen geblieben ist. Eigentlich bräuchten wir einen reboot. Das geht aber nicht, denn unser PC ist sehr komplex und er kann uns Streiche spielen.
Mein Körper z. B. hat mir eine Grenze gesetzt. Ich hatte mir zuviel zugemutet, ich halte keinen Stress mehr aus, und wenn ich ihn habe, habe ich Symptome und die sind beängstigend. Hätte ich diese Symptome aber nicht bekommen, hätte ich immer so weiter gemacht. Bei mir haben sich ganz klar Stress und Emotionen gemeldet und die gilt es nun ernst zu nehmen, um dem Körper eine Chance auf ein schönes Leben zu geben. Denn er dankt es uns, wenn wir gut mit ihm umgehen.
Wir sollten mehr auf uns hören, achtsam und dankbar sein, denn dem Grunde nach sind viele von uns gesund, was heißt wir können leben mit und in der Zeit. Warum machen wir es denn dann einfach nicht?

Angst aber vor was eigentlich?

Bevor ich die SINOVA besuchte, plante ich meinen kompletten Alltag durch, um nicht alleine zu sein. Das war eine große logistische Herausforderung. Denn wo sollte ich noch überall hin? Wen sollte ich noch zu mir einladen? Oft wollte ich auch alleine sein, meine Ruhe, über mich und über die Situation nachdenken, traurig sein. Aber die Angst stand im Weg.
Die Angst legte sich allmählich über mich wie ein grauer Schleier. Ich war täglich damit konfrontiert. Im Kaufhaus, zu Hause allein, beim Sport, im Auto eigentlich war sie irgendwann in meinem Kopf allgegenwärtig. Die Frage wird sich sicher der ein oder andere stellen: vor was hat sie Angst?
Die Antwort ist schwer zu verstehen aber recht simpel zu beantworten. Ich habe Angst umzufallen, mein Leben zu verlieren, zu sterben. Die Angst fokussiert sich auf die Angst des Herzversagens, einen Schlaganfall zu erleiden, an Krebs zu erkranken. Leider ist es mit der Angst nicht so, dass es reicht wenn ein Arzt sagt „es ist alles ok“. Mittlerweile haben mir das 5 Ärzte gesagt, ich glaube es immer noch nicht. Nicht zu 100 %.
Woran liegt das? Zum einen liegt es daran, dass ich ständig unter Schmerzen leide die echt sind, kaum aushaltbar. Sie sind an vielen verschiedenen Stellen. Fokussiert haben sie sich aber in die linke Brustgegend, den linken Arm, manchmal den Nacken und den Kiefer. Sie äußern sich durch Muskelschmerzen die so rabiat sind, dass ich an manchen Tagen Angst habe mich fortzubewegen, denn sie kommen durch Stechen in der Brust, brennen über den ganzen Arm etc. Das ist aber nicht alles, die Schmerzen sind schlau, sie verteilen sich im ganzen Körper, vorzugsweise an Stellen die eben auch sehr bedrohlich sein können wie z. B. der Kopf. Dazu kommt dann ein einsetzender Schwindel verbunden mit Herzrasen und dem Gefühl jetzt umzukippen.
Ich müsste eigentlich „nur“ Vertrauen zu den Ärzten haben, aber das kann ich nicht.  Am liebsten ist es mir eigentlich, wenn ich mich um selbst kümmern kann. Wenn ich alles „im Griff“ habe, es selbst „in der Hand“ habe, vor allem wenn es um meine Gesundheit und mein Leben geht. Aber das geht nicht und das wurde mir hart vor Augen geführt, nämlich an jenem Tag als mein Vater verstarb. Der für mich erste Mann im Leben, der Mann, den nichts „umhauen“ konnte. Aber mein „Fels in der Brandung“, war einfach nicht mehr da, weil es ihn doch einfach „umgehauen“ hat.
Das macht Angst!

Wieso, weshalb, warum?

Bevor ich euch meine Geschichte erzähle, eines vorweg, ich wusste sehr lange nicht was mir fehlt, warum manches so ist wie es und warum ich mich in manchen Situationen verhalte wie ich mich verhalte. Meine Diagnose kam für meinen Geschmack sehr spät und trotzdem zeitnah, zumindest, wenn ich bedenke wie lange diese doch bei manch anderen auf sich warten lässt. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass dies mehr als unschön daherkommt.
Mein Weg in die Angst hat am 03.05.2017 seinen Lauf genommen. An diesem Tag änderte sich mein Leben, das Leben meiner Mama, meiner Schwester und allen anderen uns nahestehenden Personen. Ich hatte an diesem sonnigen Tag im Mai meine neue Arbeitsstelle als Teamleitungsassistentin begonnen und war ganz gespannt, denn ich sollte heute das erste Mal meinen Arbeitsplatz einnehmen. Meine Kollegen und Vorgesetzten erwiesen sich als freundlich und die erste Aufregung hatte sich schnell gelegt. Nach der Mittagspause war es dann soweit, ich nahm meinen Arbeitsplatz ein und fing an mich „häuslich“ einzurichten.
Ich kann mich wie als sei es gestern gewesen noch erinnern, als mein Telefon klingelte und eine Kollegin am Apparat sagte: „Sylvia, deine Mutter ist am Telefon“. Ich konnte es gar nicht glauben, warum sollte meine Mutter an meinem zweiten Arbeitstag bei mir anrufen? Ich wusste, dass hier etwas nicht stimmte, denn das musste wichtig sein, sonst würde sie mich nicht auf dem Festnetz anrufen, nicht an meinem zweiten Arbeitstag. Als ich sie am Apparat hatte, merkte ich schnell, dass etwas passiert sein musste. Sie sagte mir „Sylvia, Papa ist im Geschäft umgefallen, es sieht nicht gut aus, bitte fahre heim und hole deine Schwester“. Ich fragte sie noch kurz was denn los sei, aber sie wusste es selbst nicht.
Ich zitterte, überall. Mein erster Gedanke war „mein Papa hat bestimmt einen Herzinfarkt“. Ich rannte zu meinem Chef und erzählte ihm was passiert war und dass ich sofort gehen musste. Gehen durfte ich, aber ich wurde gefahren.
Zu Hause angekommen, hatte ich immer noch keine Nachricht, denn meine Mama war nicht mehr zu erreichen. So wartete ich auf meine Schwester und meinen Schwager, die mich abholten, denn mein Freund hatte bereits meine Mama gefahren. Die Zeit fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Ich war verzweifelt, durcheinander und dennoch hoffnungsvoll, denn ich wusste, dass am Flughafen – der Arbeitsplatz meines Papas – schnelle Hilfe gegeben war.
Zwischen Anruf meiner Mutter bis zu unserem Eintreffen am Ort des Geschehens vergingen gut 1 1/2 Stunden. Als wir am Flughafen vor dem Verwaltungsgebäude ankamen, sahen wir ein Auto der Feuerwehr, einen Krankenwagen und einen Notarztwagen stehen. Ich selbst dachte nichts. Mein Hirn war leer. Mein Freund stand vor dem Gebäude und nahm uns in Empfang. Die Türe zum Gebäude stand offen, die Mitarbeiter wussten wer wir waren und warteten bereits auf uns. Die Situation war komisch. Die Feuerwehrmänner drehten sich um als wir vorbeiliefen und dann standen wir da, wie bestellt und nicht abgeholt und warteten auf Nachricht. Die bekamen wir auch allerdings nicht wie erwartet von unserer Mutter, sondern vom Flughafen-Chef persönlich. Er wusste nicht, dass wir völlig ahnungslos sind und sprach uns das Beileid aus.
Nach dieser Nachricht, war von einer Sekunde auf die andere nichts mehr wie es war. Das alte Leben war zu Ende….